Wie ihr vielleicht schon mitbekomen habt, tanzen wir bei der Vorstellung 2016 unter anderem ein Teil aus "Carmen". Die Choreographie wird sehr sehr cool werden - eine Kombination aus klassischem und modernen Stil. Doch wer war "Carmen" überhaupt?
Schauen wir uns dazu zunächst die Handlung des Balletts an.
Die Geschichte ereignet sich im Jahr 1820 in Sevilla. Carmen, eine junge Zigeunerin, arbeitet in einer Tabakfabrik. Zur Pause strömen die Arbeiterinnen nach draußen und werden von den Soldaten der Wache begehrlich beobachtet. Unter ihnen ist Don José, der eigentlich das Waisenmädchen Micaela heiraten soll, und sein Vorgesetzter Zungias. Die Mädchen tanzen auf dme Platz und Carmen wirft Don José eine Akazienblüte zu, um dessen Aufmerksamkeit zu bekommen. Erfolgreich.
Bei einer Auseinandersetzung in der Fabrik, verletzt Carmen eine Frau mit einem Messer und soll von José ins Gefängni gebracht werden. Sie üverredet José sie freizulassen und verspricht ihm dafür eine Nahct mit ihr. José lässt sich verführen, wird aber erwischt und muss für einen Monat ins Gefängnis.
Als José aus dem Gefängnis entlassen wird, trifft er Carmen in einer Taverne, wo sie von dme Torero Escamillo umworben wird. José nimmt dies eifersüchtig zur Kentniss. Jedoch ertönt alsbald der Zapfenstreich, der José zu Pflicht ruft. Carmen verspottet ihn für sein Pflichtbewusstsein und sie bietet ihm einen Platz in einer Schmugglerbande, für die auch sie selbst arbeitet. José lehnt dieses Angebot allerdings ab.
Zwischenzeitlich beginnt auch Josés Vorgesetzter Zunigas Carmen zu umwerben. Josés Eifersucht führt zu einem Kampf zwischen den beiden. Carmen jedoch hat das Interesse an Don José endgültig verloren und sich dem Torero Escamillo zugewandt. Auch zwischen ihm und Don José kommt es zu einem Kampf, in dem José unterliegt.
Später finden sich alle Beteilgten in der Stierkampfarena ein, um einen Kampf Escamillos zu sehen. Als Carmen mit José allein ist, gesteht dieser seine Gefühle, die sie jedoch nicht erwiedert. Aus Wut und Verzweiflung über diese Zurückweisung tötet José Carmen und bricht weinend über ihrer Leiche zusammen. Letztendlich gesteht José den Mord und stellt sich.
Wer ist diese Frau für mich? Was denke ich, wenn ich mir vorstelle, ich sei sie?
Also: Carmen ist für mich eine junge Frau, die in erster Linie auf siche und ihr eigenes Vergnügen aus ist. Sie ist, was die Gefühlle anderer angeht recht skrupellos. Ich denke, dass sie sich ihrer Wirkung auf Männer sehr wohl bewusst ist und diese ine einem bestimmten Moment auch leidenschaftlich liebt. Jedoch sind diese Momente nicht von langer Dauer und ihre Liebe zu sich selbst und ihrer Unabhängigkeit ist größer. Carmen scheint das Abenteuer zu suchen und nur darauf aus zu sein ihre eigenen Bedürfnisse zu stillen.
Um es auf den Punkt zu bringen - Carmen lebt den Moment leidschaftlich, egoistisch, arrogant und ohne Rücksicht auf Verluste. Man könnte sie als Femme Fatale bezeichnen. So versuche ich sie zu verkörpern.
Das allein wäre allerdings ein wenig zu sehr an der Oberfläche gekratzt. Ich denke, dass Carmen nicht nur eine Femme Fatale ist. Steckt hinter ihrem Verhalten Angst vor einem Fehler? Angst sich an den falschen Mann zu binden? Die Angst vor einem gebrochenen Herzen? Ich denke, dass man die unentschlossene, rastlose Seite ihres Charakters im Hinterkopf behalten muss, wenn man Carmen authentisch auf die Bühne bringen möchte.
Ich bin sehr gespannt, ob es mir gelingen wird in Carmen hineinzuschlüpfen und das Publikum zu verführen.
Bild: https://04varvara.files.wordpress.com/2011/08/04f-alicia-alonso-bolshoi-ballet-08-111.jpg?w=800
Heute möchte ich ein bisschen auf die Methoden der Waganowaschule und der Royal Academy of Dance (RAD) eingehen. Vorweg muss ich sagen, dass dieses Thema höchtwahrscheinlich Bücher füllen würde und die Meinungen dazu stark auseinander gehen. Trotzdem möchte ich versuchen Beide Methoden zu beschreiben und und zu vergleichen.
Die RAD wurde im Jahr 1920 von dem sogenannten Dancer's Circle Dinner gegründet. Dies war ein Zusammentreffen fühender Tänzerinnen und Tänzer um den Redakteur der Dancing Times Philip Richardson mit dem Ziel die Qualität des Ballettunterrichts zu fördern, die zu dieser Zeit, vor allem in England zu wünschen übrig ließ. Die beteiligten Tänzer vertraten die zu dieser Zeit in Europa vertretenen Tanzstile: Lucia Cormani (Italien), Edouard Espinosa (Frankreich), Adeline Genée (Dänemark), Phyllis Bedells (England) und Tamara Karsawina (Russland). Gemeinsam gründeten sie die "Association of Teachers of Operatioc Dancing", aus der sich 1936 durch König Gerog V die Royal Academy of Dancing und später die Royal Academy of Dance entwickelte. Mittlerweile ist die RAD die größte und einflussreichste Organisation bzgl Sicherung und Verbesserung des Standards der Tänzererziehung.
Die Methode teilt die Ausbildung in verschiedenen Stufen ein, sogenannte Grades, an deren Ende eine Prüfung steht. Es ist genau festgeschrieben, welche Übungen in der jeweiligen Stufe behandelt werden. Ebenso wie die Musik und die Trikotfarbe dem Muster der Grades folgt. Das Ziel dieses Konzepts ist, den Kindern erreichbare Ziele zu bieten, um Motivation und Spaß an der Sache zu erhalten. Obwohl diese Methode einleuchtend erscheint, setzt sie sich überwiegend im Amateurbereich des Balletts durch. Margot Fonteyn, selbst lange Zeit Vorsitzende der Organisation, sagte: "...die RAD kümmert sich ernsthaft um junge Menschen, die nie Balletttänzer werden wollen, aber dennoch Ballett-Tanz trainieren. Die RAD vertritt die Auffassung, dass es für ein Kind außerordentlich frustierend sein muss, sich einer Sache wegen anzustrengen, die es niemals beherrschen wird..." [Wendy Nele "Die richtige Ballettschule"]
Kommen wir nun zu der mit vertrauteren Waganowa-Methode. Diejenigen, die mich hier auf Spitzenschuh verfolgen, wissen, dass ich nach Waganowa ausgebildet wurde. Was bedeutet das eigentlich? Werfen wir dazu zunächst einen Blick auf die Geschichte.
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| Quelle: Wikipedia |
Agrippina Jakowlewna Waganowa wurde im Jahr 1879 in Sankt Petersburg geboren. Im Alter von zehn Jahren (1889) begann sie ihre Ballettausbildung an der kaiserlichen Ballettakademie in Sankt Petersburg. Ihre Bühnenkarriere begann im Jahr 1915 am Mariinski-Theater und endete im Jahr 1921. Nach der Beendigung ihrer Karriere, wendete sich Agrippina Waganowa den Aufgaben als Ballettpädagogin zu. Von 1934 bis 1941 leitete sie die Sankt Petersburger Ballettschule, die vier Jahre nach ihrem Tod (1951 in Leningrad) nach ihr benannt wurde. Während ihrer Zeit als Ballettpädagogin, etwarf sie das Waganowa Unterrichtssystem, eine theoretische Grundlage für Ballettunterricht. Diese fasste sie unter anderem in der "Grundlage des klassischen Tanzes" zusammen.
Nach dieser Grundlage arbeiten die meisten Professionellen Ballettshculen z.B. außnahmslos alle staatlichen Ballettschulen in Deutschland.
Diese Methode umfasst die komplette (theoretische Ausbildung zur professionellen Tänzerin im strengen, akademischen Stil. Die Methodik setzt sich aus den Tanzstilen der frühen italienischen und der französichen Schule zusammen steht aber auch unter dem Einfluss großer russicher Tänzer. Fokus der Ausbildung durch Waganowa sind einfache, weiche, große Bewegungen und Posen. Hier kann man einen ziemlichen Unterschied zu der Methode der RAD erkennen, die eher kleiner ausgeführte Positionen und Bewegungen vorschreibt. Die RAD verfolgt hier das Ziel Kinden engegenzukommen. Als Beispiel können zu große Armbewegungen bei Kindern schneller zum Hohlkreuz führen, was dann korrigiert werden muss. Die Grundlage der Waganowaschule liegt auf der Kräftigung der unteren Rückenmuskulatur, korrekter Haltung, sowie peinlich genaue Nutzung der Arme und Schultern. Ihr seht - woltl ihr herausfinden, ob ein Tänzer nach Waganowa oder RAD tanzt, schaut euch die Arme an ;-) Hier finden wir einen ganz wesentlichen Unterschied der beiden Stile: Die Armpositionen. In der Waganowalehre spricht man von drei (vier) Grundpositionen.
Perperation (Waganowa / RAD)
Die leicht gerundeten Arme werden vor dem Körper zusammengehalten. Die
Finger sind locker und eng aneinander liegend. Weder Arme oder Hände
berühren den Körper und es gibt einen leichten Abstand zwischen den
Händen
1. Position (Waganowa / RAD)
Die Arme befinden sich wie in der vorbereitenden Position, aber in der
Höhe des Bauches. Die Arme sind leicht gerundet und werden von den
Oberarmen getragen.
2. Position (Waganowa / RAD)
Die Arme werden von der 1. Position bis zu Seite geöffnet, wobei der
Ellenbogen ganz leicht gerundet ist. Ellenbogen ist leicht tiefer als
der Schulter, die Hand etwas tiefer als der Ellenbogen. Das Handgelenk
ist lang und die Hand zeigt nach vorne, die Schultern bleiben gesetzt.
3. Position (Gleich 5. Position RAD)
Die Arme werden von der 2. Position nach oben geführt, und treffen soch vor bzw. oberhalb des Kopfes. Die arme haben die gleiche Form wie in der Preperation, aber die Hände sind oben, sodass der Tänzer die Hände sehen kann, wenn er den Kopf leicht hebt.
4. Position
Der eine Arm befindet sich in 2. Position und die andere in 5. Position.
3. Position (RAD)
Der eine Arm befindet sich in 1. Position und der zweite Arm in der 2. Position.
Verglichen ist die Ausbildung der Waganowa Schule länger. Die Schüler lernen zunächst die korrekte Technik, bevor "getanzt" wird. Verglichen dazu ist die RAD dort etwas schneller. Die Kinder können früh die Schritte tanzen, jedoch leider nicht immer mit der korrekten Technik. Hier wird auf das stumpfe eintrichtern der technischen Grundlagen zum Teil verzichtet. Die Quantität steht hier auf Kosten der Qualität im Vordergrund. Natürlich ist auch hier wieder der Fokus auf den Laientänzer gelegt. Motivation und Spaß am Tanzen steht hier an erster Stelle und das ist besonders im Kinderballett auch enorm wichtig. Gerade im Hobbybereich. Verglichen dazu kann es bei Waganowa in der Urform auch schon einmal zu einem schnellen Stagnationsgefühl kommen, da versucht wird die Technik von anfang an zur Perfektion zu treiben.
Ich persönlich denke, dass die Methode der RAD ausschließlich ein einheitlicher, verantwortungsvoller Standard der Laienausbildung ist, sich für eine Berufsausbildungausbildung jedoch nicht eignet, während die Waganowamethode einem eigenen Stil beinhaltet. Sie ist natürlich strenger, akademischer, jedoch lässt sie auch mehr individuelle Gestaltungsmöglichkeit durch den Lehrer zu. Ich fühle mich in der Waganowaausbildung sehr sehr wohl, jedoch kann ich auch gut nachvollziehen, dass vor allem im Kinderballett lieber auf die Methode der RAD zurückgegriffen wird.
Schreibt mir doch sehr gerne über eure Erfahrungen in den verschiedenen Systemen. Ich würde wahnsinnig gern eure Meinung dazu hören.
Konnte die Ballettschule bis hierhin überzeugen, geht es um den Vertragsabschluss. Auch hierbei lässt sich gut erkennen, ob die Ballettschule den Fokus auf Kundenorientierung oder auf den eigenen Profit gelegt hat.
Sollte die Ballettschule euch einen Halbjahres- oder Jahresvertrag anbieten, so sollten hier die Alarmglocken aufleuchten. Besonders bei Kindern macht ein solcher Vertrag keinen Sinn. Kinder merken oft erst bim Ausüben einer Sportart, ob dies die richtige Freizeitbeschäftigung ist. Was bringt es nun die Eltern der kinder ein Jahr lang an die Schule zu binden, wenn das Kind keine Lust mehr hat und unmotiviert und wiederwillig zum Unterricht erscheint?! Üblich sind Verträge, welche zum Quartal kündbar sind. Somit hat der Kunde die Möglichkeit die Entscheidung zu testen. Gerade beim Ballett stellen sich immer wieder demotivierende Durststrecken ein, welche aber auch wieder vorüber gehen. Die drei Monate Kündigungsfrist dienen also nicht nur der Ballettschule als Sicherheit, sondern auch dem Kunden.
Die Kosten für den Ballettunterricht variieren und sind stark regionsabhängig. Hier hilft eigentlich nur ein Vergleichen zwischen den umliegenden Ballettschulen.
Aufführungen - Sind leider kein Zeichen für eine gute Ballettschule. Im Gegenteil. Lernen die Schülerinnen und Schüler nur Choreographien, führt dies dazu, dass zwar das Musikverständnis, die persönliche Ausdrucksweise und das Tanzen in einer Gruppe vermittelt werden, das Erlernen der Technik ist so allerdings kaum möglich. Die Technik des Balletts muss Schritt für Schritt aufgeschichtend gelehrt werden. Nur durch Choreographien ist das allerdings nicht möglich. Und auch hier gilt - ich kann es gar nicht oft genug sagen - Qualität vor Quantität.
Werden allerdings gar keine Vorstellungen gemacht, ist dies auch nicht gut. Aufführungen fördern die Motivation des Schülers und es stellt sich ein Erfolgserlebnis ein. Der Mittelweg ist das Stichwort.
Das war nun der letzte Teil der Serie "Die richtige Ballettschule". Ich hoffe ich konnte euch einen kleinen Überblick geben. Bei Fragen: Gern per E-Mail oder in die Kommentare damit.
Und jetzt: Viel Spaß beim Tanzen
Eure Daniela
Das Unterrichtskonzept
Ballett ist ein Sport, der logisch aufgebaut ist und über eine gewisse Struktur verfügt. Unterrichtet wird nach sogenannten Methoden, welche weltweit ein wenig variieren können. Folgende Methode gibt es:
- russiche Methode (Vaganova)
- englische Methode (Royal Academy of Dancing)
- dänische Methode (Bournonville)
- französische Methode
- kubanische Methode
- Methode der Pariser Oper
- italienische Methode (Cecchetti)
- Balanchine Methode
Wenn ihr Interesse daran habt, kann ich euch die verschiedenen Methoden, mit ihren Unterschieden und Parallelen, gern vorstellen. Einfach kurz in die Kommentare schreiben ;-)
In Deutschland sind die russische und die englische Methode am gängigsten. Doch nur weil eine Schule vorgibt nach einer bestimmten Methode zu unterrichten, heißt das noch lange nicht, dass dies auch zutreffend ist. In vielen Ballettformen findet man Mischformen aus verschiedenen Unterrichtssystemen. Jedoch funktionieren die einzelnen Methoden nur isoliert in sich, da die einzelnen Systeme in sich aufeinander aufbauen. Ein Methodenmix führt also in eine Sackgasse.
Losgelöst von den gängigen Methoden, sollte jeden Ballettschule ein logisches und auch für den Laien nachvollziehbares Konzept aufweisen. Das bedeutet zum Beispiel die Einteilung in verschiedenen Klassen - begonnen bei der "tänzerischen Früherziehung" über Alters- und Leistungsbezogene Klassen, in denen die Grundlagen vermittelt werden. Ab fortgeschrittenem Leistungsniveau sollten sich die Klassen entsprechend des Könnens der Schülerinnen und Schüler ergeben.
Die Balletttechnik
Wenn ein Unterrichtskonzept erkennbar ist, heißt das wiederum noch nicht, dass die Technik des klassischen Balletts auch korrekt vermittelt wird. Zugegeben - für den Laien ist es absolut unmöglich anhand irgendwelcher Beschreibungen zu beurteilen, ob die Unterrichtsinhalte richtig vermittelt werden. Trotzdem versuche ich euch ein paar Hinweise zu geben.
Wie bei fast allen Dingen im Ballett gilt: Qualität statt Quantität. Wie oben schon erwähnt, baut sich Ballett Schritt für Schritt auf. Daher ist es besonders wichtig, dass ein solides Fundament geschaffen wird. Fehler, die über lange Zeit antrainiert werden, wandelt der Körper zu einem Reflex um. Diese lassen sich im Nachhinein nur sehr schwer bis gar nicht mehr abtrainieren, womit Frustration vorprogrammiert ist. Halten wir also fest: Schlechte Grundlagen führen früher oder später in eine Sackgasse, wodurch Motivation und Spaß an der Sache verloren gehen. Nebenbei führt eine schlampige Technik neben Fehlbelastungen zu einem erhöhten Verletzungsrisiko.
Ein kleiner Tipp ist es bei den Schülerinnen und schülern der Ballettshcule auf die Arm- und Handhaltung zu achten. Diese wird bei schlechten Ballettschulen oft vernachlässigt, während eine gewissenhafte Tanzpädagogen auch auf diese Thema besonders achten.
Es ist klar, dass ein Hobbytänzer nicht die gleiche Perfektion an den Tag legen muss, wie ein Tänzer in der professionellen Ausbildung. Die Grundlagen sollten aber auch bei einem Hobbytänzer richtig vermittelt werden.
Wenn der erste Eindruck der Ballettschule stimmt, kann man in der Regel an Probestunden teilnehmen. Hierbei gilt es zunächst den Lehrer genau zu beobachten.
In Deutschland gibt es keinen Berufsschutz für den Tanzpädagogen. Diplome und Zertifikate sind also nicht immer ein aussagekräftiges Zeichen für eine gute Ballettschule. Eine gute Voraussetzung für das erlernen des Tanzlehrerberufs ist zunächst eine professionelle Tanzausbildung. Diese dauert in der Regel acht Jahre und sollte an einer staatlich anerkannten Hochschule absolviert worden sein. In Deutschland gehören folgende Hochschulen zu den staatlich anerkannten Institutionen:
- John Cranko Schule
- staatliche Ballettschule Berlin
- Palucca Schule
- John Neumeier
- Ballettakademie der Hochschule München
- Akademie des Tanzes (Mannheim)
Neben der Tanzausbildung ist es von Vorteil, wenn der Tanzlehrer selbst über professionelle Bühnenerfahrung verfügt. Nach Abschluss der eigenen aktiven Karriere schließt sich idealerweise ein Studium oder eine Ausbildung zum Tanzpädagogen an. Diese dauert in der Regel zwei bis vier Jahre. Folgende Fähigkeiten sollte sich der Tanzpädagoge in dieser Zeit aneignen:
- Vermittel erlernen (Tanzen und Tanz lehren sind zwei Paar Schuhe)
- methodische und didaktische Fähigkeiten
- Anatomie, Bewegungs- und Gesundheitslehre
- pädagogische Psychologie
- Kenntniss über die geistigen und körperlichen Entwicklungsstufen von Kindern und Jugendlichen
Wichtig ist weiterhin, dass sich die Lehrkraft stetig weiterbildet, andernfalls schleichen sich Routinen und veraltete Unterrichtsmuster ein.
Ein Indiz dafür, dass der Tanzpädagoge für seinen Beruf qualifiziert ist, ist das er spezialisiert ist. Bei einem Tanzlehrer, der von Ballett bis HipHop alles unterrichtet, drängt sich der Verdacht auf, alles nur mit Halbwissen zu vermitteln. Hier steht Qualität definitiv vor Quantität.
Ein sicheres Zeichen für die Qualität eines Ballettlehrers sind vor allem seine Referenzen. Damit sind nicht seine eigenen Erfolge gemeint, sondern sich in der Qualität der Schüler niederschlagen. Wie stehen die Chancen der Schülerinnen und Schüler an einer staatlichen Schule aufgenommen zu werden? Haben die Schüler sich auf einem Wettbewerb platzieren können. Natürlich ist es kein Zeichen für eine schlechte Schule, wenn diese beiden Punkte nicht erfüllt sind. Viele Ballettschüler haben gar nicht den Anspruch an einer staatlichen Schule angenommen zu werden.
Der Entschluss steht fest: Ich möchte Ballett lernen. Das ist schon einmal der erste Schritt in die richtige Richtung und nun geht es daran eine geeignete Ballettschule zu finden. Doch diese Unterfangen ist, besonders für einen Laien, nicht gerade einfach. Besonders bei Kindern oder Anfängern ist es wichtig, dass die Grundlagen in geeigneter Umgebung von Anfang an richtig vermittelt werden. Haben sich erst einmal Grundlagenfehler eingeschlichen, sind diese später nur noch sehr sehr schwer bis gar nicht mehr zu korrigieren. Doch woran erkennt man nun eine "gute" Ballettschule. Um diese Frage zu klären, schauen wir heute zunächst einmal, wie die Ballettschule auf den ersten Eindruck wirken sollte.
Den ersten Eindruck bekommt man wahrscheinlich bei einer Probestunde. Diese wird von den meisten Ballettschulen kostenfrei angeboten. Sollte die Ballettschule ein Honorar für eine Probestunde verlangen, so sollte die erste Alarmleuchte angehen. Hier entsteht der Eindruck, dass der Fokus der Ballettschule nur auf dem finanziellen Aspekt liegen könnte.
Doch zurück zu der Ballettschule. Als erstes sollte man den allgemeinen Eindruck der Schule beurteilen. Sind die Räumlichkeiten aufgeräumt und freundlich? Wirken die Kinder glücklich und wie benehmen sich die älteren Schülerinnen? Wird man begrüßt oder steht man zunächst verlassen herum? Macht der Unterricht einen zielstrebigen und strukturierten Eindruck?
Besonders wenn ihr euer Kind zu einer Probestunde begleitet, kann es gut sein, dass ihr beim Unterricht nicht dabei sein könnt. Vor allem im Trainingsraum selbst, haben Eltern - weder in der Probestunde, noch im wöchentlichen Unterricht - etwas zu suchen. Die Ablenkung, die von zuschauenden Eltern ausgeht, ist viel zu groß. Die Kinder sollen sich auf den Unterricht konzentrieren und nicht darauf "was Mama geradde macht". Trotzdem sollte die Ballettschule den Eltern die Möglichkeit geben am Training ihrer Kinder teilzunehmen. Eine Zuschauerstunde vor den Ferien, in denen die Kinder zeigen können, was sie gelernt haben, ist eine gute Möglichkeit die Eltern mit einzubeziehen. Alternativ kann eine Scheibe in der Tür oder eine Videoübertragung aus dem Trainingsraum, die Eltern am Training ihrer Kinder Teil haben lassen. Sollte die Ballettschule jeden Einblick in ihren Unterricht durch die Eltern unterbinden, sollten man auch hier aufmerksam werden - vielleicht gibt es ja etwas zu verbergen?
Dabei gilt es auch auf das Verhalten der anderen Kinder zu achten. Machen sie einen zufriedenen Eindruck oder wirken sie ängstlich oder lustlos? Ballett, vor allem als Hobby, sollte Spaß machen. Druck auf die Kinder, welcher Angst auslöst, ist hier absolut fehl am Platz.
Ein weiterer Indiz für die Qualität einer Ballettschule ist die Gruppenstärke. Ein guter Pädagoge kann maximal 12 Schüler effektiv korrigieren und unterrichten. Sollten in dem Ballettsaal mehr als 15 Kinder zur Trainingsstunde erscheinen, so können Sie sicher sein, dass dieser Lehrer eher an dem Monatshonorar der Eltern interessiert ist, als daran die Inhalte des Unterrichts erfolgbringend an seine Schüler zu vermitteln. Das Gleiche gilt natürlich auch für Erwachsene.
Gleichzeitig sollte das Erscheinungsbild der anderen Tänzerinnen und Tänzer beachtet werden. Herrscht hier eine gewisse Grundordnung oder das komplette Chaos. Gerade bei Kindern bietet sich eine Kleiderordnung an. Somit kann ein für den Unterricht angemessenes Outfit gewählt werden und ein Schaulaufen verhindert werden. In den Fortgeschrittenen Gruppen oder auch bei Erwachsenen Einsteigern, bietet sich eine grober Umriss einer Kleiderordnung an (eng anliegende Kleidung und Ballettschläppchen etc.pp)

Beim Unterricht selbst, sollte beachtet werden, ob und in welcher Form Unterrichtsinhalte vermittelt werden. Natürlich soll Ballett in erster Linie Spaß machen, trotzdem sollte ein Ziel des Unterrichts erkennbar sein. Ist ein Unterrichtsaufbau zu erkennen oder handelt es sich bei der Trainingsstunde um wildes Rumgehopse? Wichtig ist auch darauf zu achten, ob und wie der Lehrer korrigiert. Erfolgen keine oder wenig Korrekturen, so wird sich kein Lernerfolg einstellen. Das ist ein Zeichen dafür, dass der Lehrer entweder keine Ahnung oder keine Lust hat. Das komplette Gegenteil sind eine Überforderung der Tänzerinnen und Tänzer durch eine Korrekturenflut. Hier werden vor allem Kinder entmutigt. Das Gleiche kann passieren, wenn in der Ballettschule eine Art Starkultur gelebt wird. Der Lehrer sollte keinen seiner Schüler bevorzugen. Es gilt also der goldene Mittelweg.
Sollte der erste Eindruck stimmen, so kann man sich in einer Probestunde einen tieferern Eindruck verschaffen. Worauf bei Räumlichkeiten, Lehrkraft und Technik geachtet werden sollte, wird in den nächsten Wochen hier auf Spitzenschuh thematisiert.
Bis dahin.
Eure Daniela
Übermorgen ist der "World Ballet Day". Das bedeutet, dass fünf große Ballettkompanien ihre Türen für uns öffnen und uns Einblicke in ihre Arbeitswelt geben. Es werden Trainingseinheiten und Interviews live übertragen.
Folgende Kompanien nehmen an dem World Ballet Day teil:
The Australian Ballet
Bolshoi Ballet
The Royal Ballet
The National Ballet Canada
San Francisco Ballet
Ich finde es sehr interessant und inspirierend professionellen Tänzerinnen und Tänzern beim Training zuzuschauen. Es motiviert mich immer wieder mein Training mit neuer Kraft und Motivation anzugehen. Schaut auf jeden Fall übermorgen dort vorbei. Es lohnt sich.
Kann ich Ballett zu Hause lernen?
Kennt ihr Websites zum Ballett lernen?
Kennt ihr gute Youtube-Videos, um Ballett zu lernen?
Spitzentanz selbser beibringe?
Diese und ähnliche Fragen lese ich zu oft in Communitys oder Foren. Leider. Wenn ihr auch durch eine dieser Fragen hergekommen seid, geht bitte nicht gleich wieder und lest weiter.
Ein bekannter Tanzfilm behandelt dieses Thema: Ein Mädchen aus ärmeren Verhältnissen möchte Balletttanzen lernen. Jedoch hatte sie nie die Gelegenheit dazu. Also schneidet sie aus Ballettstücken Frequenzen aus und lernt so die Schritte. Sie tanzt an einer Ballettakademie vor, sie ist gut und wir doch nicht genommen. Anstatt aufzugeben, kämpft sie sich durch und schafft es am Ende in einer Company aufgenommen zu werden.
Klingt schön. Muss ich zugeben. Doch es ist eine erfundene Geschichte. Ein Märchen. Die Realität sieht anders aus.
Ballett ist komplex. Sehr sogar. Es baut Schritt für Schritt aufeinander auf. Wie ein Schichtsalat. Manchmal durchschaut man erst hinterher, worauf diese oder jene Übung hinausläuft. Gleichzeitig ist Ballett eine Höchstbelastung für den Körper, die man nicht unterschätzen darf. Meiner Meinung nach kann man, wenn man sich die einzellnen Übungen bei Youtube oder ähnlichen Internetportalen ansieht, die Bewegungsabläufe bestimmt nachahmen, doch halte ich es für ausgeschlossen, dass jemand ohne Vorkenntnisse und ohne Lehrer in der Lage sein wird diese auch korrekt auszuführen. Allein die Auswärtshaltung im Ballett, die zunächst für den Körper ungewohnt ist, wird über kurz oder lang auf der Strecke bleiben. Selbst wenn der Übende versucht auf das "Auswärts" zu achten, ist die Gefahr sehr groß, dass dieses nicht aus der Hüfte erfolgt, sondern aus dem Knie nachgeholfen wird. Dieser Fehler tritt sogar unter Aufsicht durch einen Lehrer sehr häufig auf. Das ist auch nachvollziehbar, denn das natürliche Auswärts ist bei den meisten Menschen nur bedingt vorhanden. Das Schließen in der fünften Position ist somit erschwert. Dabei würden sich aus dem selbstständigen Erlernen schon bei den Grundpositionen mit einer 99%igen Wahrscheinlichkeit Fehler einschleichen. Und damit nicht genug. Die Fehler, die sich aus dem "falschen" Auswärts ergeben haben auch gesundheitliche Folgen. Durch das Ausdrehen des Knies kommt es zu einer Reibung der Kniescheibe auf der darunterliegenden Knorpelschicht. Diese wird bei längerer Fehlbelastung abgetragen, was Athrose-ähnliche Symtome hervorruft (ganz grob beschrieben - ich bin kein Medizinier).
Oder schauen wir uns das Standbein an. Auch hier kann bei jeder Übung ein Fehler gemacht werden, der sich später rächen wird. Steht man beispielsweise auf der Innenfußkante und nicht, wie es eigentlich sein sollte auf der Außenfußkante, so wird auf das Knie Druck ausgeübt. Nicht nur, dass die Stabilität und die Balance darunter leidet, ihr werdet über die Zeit ein überdehntes Knie bekommen, dass jede Stabilität verloren hat (das überstreckte Knie).

Das waren jetzt nur zwei Beispiele, die euch zeigen sollen, dass es fatale Folgen haben kann, wenn ihr allein und ohne Aufsicht vor euch hin experimentiert. Mit einer sehr sehr hohen Wahrscheinlichkeit werdet ihr euch Fehler angewöhnen, die zu gesundheitlichen Problemen führen können. Selbst wenn ihr euch die größte Mühe gebt, alles zu beachten, so verspreche ich euch, dass euch das nicht geilngt. Ihr seid einfach darauf angewieden, dass eine Fachperson von außen auf euer Training guckt, um euch auf eure Fehler hinzuweisen. Das hat auch nichts damit zu tun, dass ihr gelenkig seid. Dehnbarkeit ist nicht alles beim Ballett. Im Gegenteil. Im Hobbybereich finde ich ein Attitude in korrekter Haltung auf 45° wesentlich schöner als ein verdrehtes Attitude auf 90°. Natürlich, ab einem gewissen Niveau ist eine gewisse Beweglichkeit notwendig, aber ihr werdet allein niemals dahin kommen, dass eine Dehnung von über 180° Voraussetzung für eine Weiterentwicklung ist.
Besonders schlimm finde ich es, wenn sich Mädchen das Spitzetanzen zu Hause beibringen wollen. Um Spitze zu Tanzen müsst ihr gewisse Voraussetzungen mitbringen. Das ist so. Da führt kein Weg dran vorbei. Und auch wenn ihr diese Voraussetzungen erfüllt, kann schon der falsche Schuh für ein erhöhtes Verletzungsrisiko sorgen. Ihr macht euch eure Füße kaputt, wenn ihr ohne Aufsicht Experimente startet. Also bitte bitte versucht gar nicht erst zu Hause Ballett zu lernen. Denkt daran, dass euch eure Füße noch ein Leben lang tragen müssen. Selbst korrekt ausgeführter Spitzentanz ist für die Gelenke eine hohe Belastung und jeder Orthopäde schlägt schon bei dem Wort "Spitzentanz" die Hände über dem Kopf zusammen. Also tut mir bitte den Gefallen: Wenn ihr Ballett machen wollt, dann sucht nach einer Ballettschule, macht eine Probestunde, redet mit euren Eltern. Alles andere ist nicht nur gefährlich, sondern wird euch auch keinen reellen Erfolg bringen.
Es tut mir Leid für den erhobenen Zeigefinger, aber dieses Thema liegt mir schon länger auf der Seele und es war mir sehr wichtig dieses hier einmal zu thematisieren.